Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem Gemeindebrief Jan/Febr. 2019


Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme - das wünsch ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen,
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier
.“

Fast vier Jahrzehnte ist es her, dass die Sängerin Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ die Charts gestürmt hat. Mit dem Lied gewann sie im April 1982 den Eurovision Song Contest, stand daraufhin 5 Wochen auf Platz 1 der Hitliste und hat sich in der Folge über etliche Auszeichnungen in Gold und Platin freuen dürfen.

Ein Lied vom Frieden, das einer Künstlerin einen solchen Erfolg beschert!? Nicole berührte mit ihren Zeilen die Sehnsucht vieler Menschen in einer Zeit, in welcher der Friede doch allzu zerbrechlich und bedroht war. Es war mitten im Kalten Krieg, als Nicole ihr Lied sang. Im Osten wie im Westen stellten die Großmächte atomare Mittelstreckenraketen auf und bedrohten einander. Die Gefahr eines Krieges, in dem Westdeutschland Hauptschauplatz sein würde, war allgegenwärtig und real. In diesem „Gleichgewicht des Schreckens“ war eine zarte Stimme, die von einem „bisschen Frieden“ sang, sehr willkommen und tröstlich für viele Menschen. Es träumten Menschen gerne mit, dass doch mehr Freude, Wärme, weniger Weinen, mehr Liebe und beständige Hoffnung die Herzen erfüllen und leiten sollte.

Heute, zu Beginn des Jahres 2019 und nunmehr 37 Jahre nach Nicoles großem Erfolg, hat sich die Sehnsucht nach Frieden in unserer Welt nicht erfüllt. Der Kalte Krieg ist Geschichte – Gott sei Dank – aber viele große und kleine „heiße“ Kriege beschäftigen und verunsichern uns. Nur wenige Flugstunden von uns entfernt, in der Ukraine, erscheint der Friede sogar noch zerbrechlicher als vor 37 Jahren. Das „alte Lied“ vom Wunsch nach Frieden ist und bleibt ein Menschheitsthema! Das erfahren wir in unserer Lebensspanne; davon hat schon König David lange vor unserer Zeit, lange vor modernen Großmächten und ihren Massenvernichtungswaffen ein Lied zu singen gewusst. Er hat es getextet in friedloser Zeit, als er selbst vor einem mächtigen Gegner, König Saul, fliehen musste und keinen Unterschlupf finden konnte. Da brach die Sehnsucht nach Frieden auch aus seinem Herzen. Wir spüren sie in den Worten der Jahreslosung: Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15)

Ruft sich David selbst zum Frieden auf? Ruft er die Hörer seines Liedes zur „Jagd nach dem Frieden“ auf? Beides wird wohl zutreffen. Niemand kann andere zum Frieden aufrufen, der nicht selbst bereit dazu ist! Doch David fordert diesen Frieden nicht schlicht von anderen ein. Er weiß vielmehr, dass wir dazu eine Kraft und eine Quelle benötigen, die wir nicht in uns selbst finden. So appelliert er nicht an unsere Friedfertigkeit, die je nach Tagesform und -laune unterschiedlich ausfallen mag. Er stellt sich und uns in den größeren Zusammenhang, Menschen unter Gott zu sein. Ich will euch sagen, was es heißt, in Ehrfurcht vor dem Herrn zu leben, so singt er in seinem Friedenslied an alle, die aus dem ewigen Kreislauf von Streit und Vergeltung aus- und aufbrechen wollen (Vers 12).

Der Friede beginnt also dort, wo wir mit und unter Gott unser Leben gestalten und anerkennen, dass nicht wir das Maß aller Dinge sind. Der Friede beginnt dort, wo wir ernstnehmen: Mit unserem Leben sind wir dem unendlich Größeren verantwortlich. Gott ist Gott und wir sind von ihm geschaffen, gewollt, geliebt und gerufen, ihn zu fragen: Wie kann mein Leben gelingen? Selbsterkenntnis und der Blick auf Gott, von dem alles kommt und auf den es ankommt – das wird David mit Ehrfurcht gemeint haben. Wer von euch will sich am Leben freuen und gute Tage erleben?, so setzt David sein Lied vom Frieden fort (Vers 13). Lebensfreude und gute Tage erleben!? Wer will das nicht? David zeigt, wie das praktisch wird: „Dann achtet auf das, was ihr sagt: Keine Lüge, kein gemeines Wort soll über eure Lippen kommen. Wendet euch ab von allem Bösen und tut Gutes!

Beides, Frieden und Unfrieden, beginnen oft mit unseren Worten. Wo wir liebevoll die Wahrheit sagen, wo wir dem anderen nicht weh tun mit gemeinen Worten, wo wir uns vom Bösen ab- und dem Guten zuwenden, da entsteht Friede. Denn dort entsteht die wichtigste Voraussetzung für Frieden: Menschen können sich sicher fühlen. Niemand muss Furcht haben vor Lüge, übler Nachrede oder spitzen Worten. Dann wird das Herz frei, sich unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden einzusetzen. Ist es nicht hochinteressant, dass der Friede dort beginnt, wo wir auf unsere Worte achten? Der Friede beginnt mit Worten – mit denen, die wir sagen und mit denen, die wir ungesagt sein lassen. Gott selbst hat uns in seinem Wort an uns, in seinem Sohn, den Frieden zugesprochen. Der wird nicht müde, uns zu sagen: „Friede sei mit euch.“ (z.B. Lukas 24, 36)

Was er für uns ist und uns zuspricht ist nicht nur „… ein bisschen Frieden …“, sondern der Frieden Gottes, der weit über alles Verstehen hinausreicht. Der möge über unseren Gedanken wachen und uns in unserem Innersten bewahren – uns, die wir mit Jesus Christus verbunden sind. (vgl. Philipper 4, 7)

Der Friede ist also schon da! Spüren wir ihn doch auf und heften uns an seine Fersen in Familie, Beruf, Nachbarschaft und Gemeinde!

Dann wird aus unserem Wunsch unsere Erfahrung werden: ein gesegnetes Neues Jahr 2019!

Ihr/Euer Michael Oberländer