Am Sonntagmorgen haben wir um 10 Uhr einen Präsenz-Gottesdienst mit begrenzter Teilnehmerzahl und besonderen Regeln.
Der Gottesdienst wird live übertragen und ist danach auch jederzeit als Video abrufbar.
Alle anderen Gemeinde-Veranstaltungen fallen bis auf Weiteres leider aus.


 

Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem aktuellen Gemeindebrief


Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach:
Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

1.Kön 19,7 (Monatsspruch Juli 2020)


Interview mit Elia, als er unter dem Ginsterstrauch lag und sich wünschte tot zu sein…


Auf ein Wort:    Großer Prophet Elia…

Prophet Elia:     Nennt mich nicht groß! Groß ist allein der Herr der Heerscharen, JHWH (Jehova), der Schöpfer des Himmels und der Erde. Ich bin nicht besser als meine Väter. Nur wenige glauben mir, und für viele bin ich der Volksverderber.

AeW:  Aber hast du nicht gerade eine wunderbare Glaubenserfahrung gemacht: Du bist allein mit JHWH im Rücken gegen 450 Baalspriester angetreten und JHWH hat gesiegt?

PE:     Es ist nicht so einfach, wie ihr denkt. Vor drei Jahren musste ich im Auftrag des Herrn verkünden, dass eine große Dürre über das Land kommen wird. Die Menschen wussten sofort, was das bedeutet: Hunger, Hunger und nochmals Hunger. Sie haben mich angestarrt und verzweifelt gefragt, ob ich meinen Gott nicht umstimmen könne; viele haben gemeint, dass sie sich sonst an Baal, den mächtigen Gott der Kanaaniter, wenden wollten. Ich war verzweifelt, weil ich doch JHWH als den einzigen, den wahren Gott verkünden wollte. Aber der Herr ließ sich nicht umstimmen, weil nicht nur das Königshaus, sondern auch viele aus dem Volk Israel begonnen hatten, Baal anzubeten. Ich musste vor dem König fliehen, konnte aber auch nicht darauf hoffen, dass mich meine Landsleute beschützten, weil ich mich durch die Dürreankündigung äußerst unbeliebt gemacht hatte, so dass niemand etwas mit mir zu tun haben wollte.

AeW:  Aber wie kam es dann, dass du doch Regen ankündigen konntest?

PE:     Nach mehr als zwei Jahren gab Gott mir ein, dass ich wieder zum König Ahab gehen solle. Ich hatte große Angst, denn der König hatte mich überall suchen lassen. Da traf ich Obadja, den Palastverwalter, einen Mann, der große Ehrfurcht vor dem Herrn hat. Er erkannte mich sofort und warf sich vor mir nieder. Ich sagte ihm: „Geh sofort zum König und melde ihm, dass ich wieder da bin.“  Er aber schrie gequält auf: „Was habe ich verbrochen, dass du mir diesen Auftrag gibst? Wenn du es dir anders überlegst und nicht erscheinst, wird Ahab mich töten lassen.“ Da wurde auch mir ganz anders, weil ich merkte, wie groß das Risiko war, wenn ich zum König ging. Ich musste Obadja schwören, noch am gleichen Tag vor dem König zu erscheinen. Ich spürte aber in meinem Herzen, dass JHWH mit mir sein würde und so konnte ich Ahab überzeugen, eine große Volksversammlung am Berg Karmel einzuberufen, um ein Gottesurteil herbeizuführen: Um den einen Altar sollten sich die 450 Baalspriester versammeln und an dem anderen stand ich ganz allein. „Der Gott, der mit Feuer antwortet, der ist der wahre Gott!“ hörte ich mich rufen und das Volk, begierig dieses Spektakel mitzuerleben, stimmte lauthals zu.

AeW:  Wir haben davon gehört, wie du die. Baalspriester zunächst nur beobachtet hast bei ihrem Gebet, dass Baal das Opfer anzünden solle. Nach Stunden schließlich hast du sie verspottet und gerufen: „Ihr müsst lauter rufen, wenn euer großer Gott es hören soll! Bestimmt ist er gerade in Gedanken versunken, oder er musste mal austreten. Oder ist er etwa verreist? Vielleicht schläft er sogar noch, dann müsst ihr ihn eben aufwecken.“ Und sie tanzten noch wilder und schrien immer lauter.

PE:     Das hat man euch richtig erzählt. Ich war wie berauscht von JHWH. Als ich an der Reihe war, ließ ich noch mehrmals Wasser über das Opfertier und den Altar gießen, damit ja keiner sagen konnte, ich hätte das Feuer irgendwie selbst entzündet; dann kam der große Moment: Ich betete: „Herr! Antworte mir, damit das Volk endlich einsieht, dass du, Herr, der wahre Gott bist und sie wieder dazu bringen willst, dir allein zu dienen.“ Noch heute stockt mir der Atem, wenn ich daran denke, wie der Altar plötzlich in Flammen stand und sogar die Steine von der Hitze zerstört wurden. Das Volk warf sich zu Boden und schrie immer wieder: „Der Herr allein ist JHWH!“ Ich ließ die Baalspriester zum Fluss Kishon bringen, wo man sie tötete.

AeW: Und doch lagst du kurze Zeit später in der Wüste und wolltest nur noch sterben. Wie konnte das nur geschehen?

PE:     Als dann auch noch auf mein Gebet hin endlich der ersehnte Regen fiel, fühlte ich mich vom Geist Gottes wie auf einer Wolke getragen und dachte: Jetzt bricht die Herrschaft Gottes im Volke Israel von Neuem an. Jetzt ist meine Mission erfüllt. Aber schon am nächsten Tag ließ die Königin Isebel mir ausrichten: „Die Götter sollen mich strafen, wenn ich dir nicht heimzahle, was du meinen Baalspriestern angetan hast. Morgen um diese Zeit bist auch du ein toter Mann! Das schwöre ich!“ Ich war wie erstarrt. Gerade noch hatte ich mir ausgemalt, was wohl meine Rolle sein könnte, wenn das Volk zu JHWH zurückfindet. Ich plante schon eine große Rede, in der ich mit glühenden Farben die 10 Lebensleitlinien unseres Propheten Mose ins Gedächtnis rufen wollte, -und schon packte mich die nackte Angst. Ich konnte an nichts anderes mehr denken, als dass ich nun von der Hand der Schergen Isebels sterben musste. Zunächst rannte ich so schnell ich konnte, dann wanderte ich Tag und Nacht, mied alle Dörfer und wenn mir jemand entgegenkam, drückte ich mich ins Gebüsch und wagte nicht zu atmen. Ich lief bis weit in die Wüste hinein und wünschte nur noch tot zu sein. Ich war an einem Punkt völliger Erschöpfung angekommen, und es ging mir durch den Kopf, dass ich dasselbe Schicksal erleiden musste, wie schon so viele Propheten vor mir. „Warum nicht jetzt?“ fragte ich mich.

AeW:  Ein völliger Burnout! Viele von uns erleben etwas Ähnliches, wenn auch vielleicht nicht so extrem wie du. Wir haben wunderbare Glaubenserfahrungen auf einer Tagung, in einem Gottesdienst oder in der Begegnung mit Menschen gemacht und fühlen uns, als könnte uns nichts mehr von Gott trennen, -  und kurz danach erleben wir eine Niederlage im Glauben, die uns völlig aus der Bahn wirft. Wir erleben eine wunderbare Heilung und plötzlich kommt die Krankheit zurück. Wir erzählen von unserem Glauben und erfahren Anerkennung, und am nächsten Tag sind wir zu feige, um zu unserem Glauben zu stehen. Aber  du, Elia, bist aus diesem tiefen Tal der Verzweiflung wieder herausgekommen. Wie ging das zu?

PE:     Ich lag nur da und hatte die Augen geschlossen; mein Atem ging stoßweise und die Zunge klebte an meinem Gaumen. Da hatte ich plötzlich das Gefühl, dass mich jemand sanft berührt und ich hörte, wie eine Stimme sagte: „Elia, steh auf und iss!“ Ich sah mich um, und da lag ein Fladenbrot und daneben stand ein Wasserkrug. Ich aß gierig und trank in großen Schlucken; gleich darauf wurde mir wieder schwarz vor Augen, und ich fiel wieder in einen tiefen Schlaf. Ich weiß nicht, wie lange ich so gelegen habe, aber wieder fasste mich jemand sanft am Arm, rüttelte mich und sagte: „Elia, steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir.“

AeW:  Wie konnte das sein, - so weit weg von allen menschlichen Behausungen?

PE:     Ich habe später erzählt, ein Engel sei mir erschienen, weil ja das Fladenbrot und der Wasserkrug dort standen und ich zu erschöpft war, um noch irgendetwas um mich herum wahrzunehmen. Vielleicht war es jemand aus einer Karawane, der mich fand oder ein anderer Flüchtling in der Wüste. Aber ist das nicht egal, wen Gott uns schickt, wenn wir in tiefer Verzweiflung sind, weil eine Krankheit uns bedrängt, oder weil Sorgen uns quälen, so dass wir kaum noch schlafen können. Gott will, dass wir leben, Kräfte sammeln und seine Stimme hören, die uns sagt: Ich habe noch eine Wegstrecke mit dir vor: mit neuen Gottesbegegnungen, mit Menschen, denen du Mut machst oder denen du nur zuhörst in ihrer Not. Es gibt nicht nur bei mir, dem Propheten, dieses Auf und Ab auf dem Weg mit Gott. Vielleicht bist du heute der oder die Entmutigte und im nächsten Moment der Mensch, der anderen wie ein Engel erscheint. Wenn man Krisenzeiten durchlebt und die Zukunft einen schier verzweifeln lässt, bekommen die, die auf Gott vertrauen, plötzlich neue Ideen, die andere aufatmen lassen und die so zu Boten Gottes werden.

AeW:  Ja, das kennen wir auch. Oft beginnen solche Eingebungen Gottes mit den Worten: „Eigentlich müsste ich….“  Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit: ein Telefonat, eine liebevoll gestaltete Postkarte oder eine Einladung zum Kaffee, die anderen Mut macht, nicht liegenzubleiben, sondern aufzustehen und weiterzugehen.  Es geht darum, Menschen, die es gar nicht erwarten, zu überraschen. Wilhelm Willms hat in einem seiner Texte den Refrain gedichtet:

„Wirst du für mich
werd ich für dich
der Engel sein.“

Wir danken dir herzlich für das Gespräch und nehmen das Wort des Boten Gottes, das dich ermutigt hat, mit hinein in unseren Alltag: „Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir.“

Helmut Peiniger