Auf ein Wort

Leitartikel von Joachim Möller
aus unserem Gemeindebrief Juli/August 2019



Als die Sonne am höchsten stand, war Damaskus schon nicht mehr zu sehen. Das alte Leben lag hinter mir. Das ärmliche Leben in der Enge der Stadt hatte ich nicht mehr ertragen. Ich musste weg, raus aus der Stadt. Immer wenn ich sah, wie eine Karawane aus der Stadt hinauszog, sah ich ihr sehnsüchtig nach. Wie ich die Männer beneidete, die viel unterwegs waren, viele Städte kannten und vielen anderen Menschen begegneten.

Aber jetzt war ich einer von ihnen, na ja, fast. Ich musste ja noch viel lernen. Ich war froh, dass Jussuf, der Karawanenführer, meine Bitte erhört hatte und mich mitgenommen hatte. Ja und was ich dann alles erlebt hatte, war einfach sagenhaft! Zunächst ging es nach Haran. Die Stadt war sehr interessant für mich, es gab viel Neues zu entdecken. Bald kannte ich mich aus und wäre gerne weitergezogen, aber irgendwie brach die Karawanengemeinschaft auseinander. Einige wollten zurück nach Damaskus, einige wollten noch länger in Haran bleiben, und Jussuf hatte sich einer anderen Karawane angeschlossen, die mich nicht mitnehmen wollte.

So war ich froh, dass ich bei einem reichen Mann, der erst vor kurzem in Haran angekommen war, in Dienst genommen wurde. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser Mann auch nicht mehr lange in Haran bleiben würde. Und tatsächlich, kurz nachdem sein Vater gestorben war ging es los und ich durfte mit. Abram, so hieß er, gab mir unterwegs verschiedene Aufgaben, die ich gut und gern erledigen konnte. Ich glaube, er fand schnell gefallen an mir und bald wurde ich seine rechte Hand.

Wir zogen dann weit in den Süden in das Land Kanaan. Aber das war wohl keine gute Entscheidung, denn dort brach eine große Hungersnot aus, so dass Abram beschloss, nach Ägypten zu ziehen. Das war mir nur recht. Ich hatte schon viel von Ägypten gehört, und nun durfte ich dieses Land auch kennen lernen. Aber dann gab es ein Problem mit Abrams Frau Sarai. Sie war ja eine außergewöhnlich schöne Frau und so interessierte sich der Pharao für sie. Ich habe damals noch nicht alles so genau verstanden, aber letztlich ging wieder alles gut aus. Die Ägypter beschenkten Abram und ließen uns in Frieden ziehen. Irgendwie hatte Abram immer Glück.

Als wir wieder in Kanaan waren, trennte sich Abram von seinem Neffen Lot. Etwas später wurde Lot aber in einen Krieg hineingezogen und verschleppt. Als Abram das erfuhr, machte er sich mit allen verfügbaren Männern auf, um Lot zu befreien. Und auch das gelang ihm. Bisher hatte ich Abram eher als den weisen Herrn und Gebieter kennengelernt. Nun wusste ich, dass er auch ein mutiger und geschickter Kriegsherr sein konnte.

So ganz allmählich verstand ich immer mehr von dem, was Abram bewegte und leitete. Er hatte einen Gott, der offensichtlich sehr mächtig war und der ihm sehr wohl gesonnen war. Es gab nur ein Problem, das dieser Gott nicht lösen konnte oder wollte: Abram hatte keinen Sohn, keinen Erben. Ich spürte, dass ihm das schwer zu schaffen machte. Dann merkte ich, dass Hagar, Sarais Magd, schwanger war. Zuerst hatte ich einen der Hirten als Vater in Verdacht, aber schließlich war klar, dass sie für Sarai von Abram ein Kind bekommen sollte, damit es einen Erben gibt. Sie gebar einen Sohn und man nannte ihn Ismael. Er war ein netter Junge. Er hatte mich oft begleitet, wenn ich unterwegs war zu den verschiedenen Herden. Aber dass die beiden Frauen, Sarai und Hagar, sich nicht mehr riechen konnten, das war jetzt ganz offensichtlich.

Dann gab es eine ganz besondere Situation. Abram sprach erst zu mir und dann zu allen seinen Knechten. Er erzählte von seinem Gott, von seinen Erfahrungen, Begegnungen und von den Verheißungen, dass Gott mit Abram und mit uns allen einen Bund geschlossen hatte. Als Zeichen sollten wir uns alle beschneiden lassen. Außerdem verkündete Abram, dass er ab jetzt auf Gottes Anweisung hin, Abraham heißt und seine Frau Sara. Ich muss sagen, dass ich richtig stolz war, dass ich dazugehören durfte und einen so starken Gott auf meiner Seite hatte. Als dieser Gott dann Sodom und Gomorra zerstörte, konnten alle spüren, welche Macht dieser Gott hatte. Das war wirklich furchteinflößend.

Aber dann geschah ein ganz besonderes Wunder: Sara bekam tatsächlich noch einen Sohn – in ihrem Alter! Als Isaak dann geboren wurde, gab es ein Freudenfest wie schon lange nicht mehr. Abraham und Sara lebten noch einmal ganz neu auf. Sie lachten und scherzten wie junge Leute. Allerdings gab es jetzt Probleme mit Ismael und Hagar, so dass Abraham sie eines Tages wegschickte. Da war ich schon sehr enttäuscht von Abraham, denn ich mochte den Ismael.

Was dann später geschah, war schier unglaublich. Natürlich wusste zunächst keiner, worum es ging. Abraham hatte wohl eine Botschaft von Gott erhalten und zog mit Isaak und zwei Knechten los. Das war schon seltsam und Abraham wirkte irgendwie verändert. Als sie dann zurückkamen, war wieder alles ganz anders. Ich verstand es aber immer noch nicht. Irgendwann sickerte dann aber durch, was sich da unterwegs ereignet hatte, dass Isaak geopfert werden sollte. Ich war entsetzt, dass dieser Gott so etwas verlangte. Abraham nahm es aber so hin und dankte Gott für die Verschonung. Er blieb seinem Gott treu. Letztlich beeindruckte er mich damit zutiefst.

Als Isaak schließlich ein junger Mann war, bekam ich einen besonders verantwortungsvollen Spezialauftrag. Ich sollte in seine alte Heimat nach Ur reisen und dort eine Frau für Isaak aussuchen. Das war eine interessante Sache und ich freute mich auf diese Reise. Aber ich wollte es auch wirklich gut machen, und deshalb versuchte ich es auch mit Abrahams Gott. Nun, ich will es kurz machen. Gott hatte meine Bitte auf wunderbare Weise erhört, und die Reise war sehr erfolgreich. Jetzt hatte ich das Gefühl, es ist auch mein Gott. Ohne ihn wollte ich nie mehr unterwegs sein.

Soweit ein Bericht des Elieser von Damaskus, dem Verwalter von Abraham. Ein bewegender Bericht, ein Reisebericht voller Gotteserfahrungen. Die Bibel ist voll von ähnlichen Reiseberichten, von Flucht und Vertreibung, von Missionsreisen und der Reise nach dem Gelobten Land. Dazu kommen Reisen in die Einsamkeit, um Abstand von der Welt und eine neue Nähe zu Gott zu bekommen. Ferienreisen gab es jedoch nicht, um sich zu erholen, schöne Landschaften zu sehen oder um ein Abenteuer zu erleben, um einfach mal raus aus der Stadt zu kommen und den Alltagszwängen zu entkommen.

Aber trotz der Unterschiedlichkeit der Gründe für eine Reise ist das Leben heute wie damals eine Reise. Dabei kommt es nicht auf Entfernungen und besondere Orte an, sondern auf Erfahrungen, Entwicklungen und Veränderungen in unserem Inneren. Wer innerlich geistig und geistlich in Bewegung ist, muss nicht unbedingt weite Reisen unternehmen. Ein gutes Buch, Stille zum Nachdenken oder ein Gespräch mit lieben Menschen und natürlich mit Gott, dem Ursprung jeder Regung, Bewegung und Reise, tragen sicher dazu bei. Unser Gott ist ein Reise-Gott, der mit uns unterwegs sein will.

Dabei sind Richtung und Ziel von großer Bedeutung. Wohin soll die Lebensreise gehen? Wenn es um eine Etappe geht, dann kann schon mal der Weg das Ziel sein. Wenn es aber um das Ziel unseres Lebens geht, reicht das nicht aus. Dann ist es wichtig eine klare Vorstellung davon zu haben, wo man hinwill und welchen Weg man dafür einschlägt. Wer einmal ein Leben in göttlicher Gemeinschaft erreichen will, der braucht auf jeden Fall einen guten Reiseleiter, und da kommt nur einer in Frage: Jesus Christus ist der einzige Weg zum ewigen, allmächtigen und liebenden Gott und Vater.

Liebe Gemeinde, egal ob ihr in diesem Sommer verreist oder hierbleibt, ich wünsche euch Bewahrung und gute Erfahrungen mit Gott und seinem Sohn Jesus Christus, der euch sicher ans Ziel bringen wird, wenn ihr ihm vertraut. So wie es Abraham und sein treuer Verwalter Elieser von Damaskus getan haben. Glück und Segen auf all euren Wegen!

Joachim Möller