Am Sonntagmorgen haben wir um 10 Uhr einen Präsenz-Gottesdienst mit begrenzter Teilnehmerzahl und besonderen Regeln.
Der Gottesdienst wird live übertragen und ist danach für etwa 3 Wochen abrufbar.


 

Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem aktuellen Gemeindebrief


Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.

Jeremia 29,7


 

Wir schreiben das Jahr 2020. Ein Jahr, das uns in vielerlei Hinsicht noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich meine es gewiss nicht pathetisch, wenn ich sage, dass es ein schicksalhaftes Jahr ist.

Nicht allein wegen der Pandemie und der Trauer über den Verlust geliebter Menschen. Nicht nur wegen den mit ihr einhergehenden Schutzmaßnahmen. Gewiss nicht bloß wegen der ihr nachfolgenden wirtschaftlichen Auswirkungen.

Auch in der Politik landes- und weltweit tut sich einiges und es stehen wichtige Wahlen an.

In diesen Tagen und Wochen schauen viele gebannt über „den großen Teich“ auf die USA. Dort finden am 03. November die Präsidentschaftswahlen statt. Viele Menschen in den Staaten, und nicht zuletzt bei uns, hoffen auf einen Wechsel im Weißen Haus.

Auch in unserem Land stehen wichtige Wahlen an! Seit Wochen sehen wir im Straßenbild unserer Stadt Velbert an Laternen und Stellwänden Wahlplakate von etablierten und alternativen Parteien, Initiativen und Aktionsbündnissen. Am 13. September stehen in unserem Bundesland Kommunalwahlen an. Landrätin/ Landrat, Kreistag, Bürgermeisterin/Bürgermeister und der Gemeinderat sind zu wählen. Diese Wahl scheint klein und unbedeutend zu sein im Vergleich mit den Ereignissen und Wahlen, deren Ergebnisse sich weltweit auswirken werden.

Diese Wahl scheint klein und unbedeutend zu sein – sie ist es aber nicht!

Was in unserer Stadt geschieht, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch, das geht uns alle unmittelbar an!

Da kann niemand sagen: „Was gehen mich die Wahlen an? ‘Die da oben’ machen ja doch, was sie wollen.“

Für den Oktober 2020 ist uns ein Vers aus dem Buch des Propheten Jeremia als Monatsspruch mitgegeben, der uns aufrütteln will. Für den Monat also, in dem wir auf die Wahl zurückblicken werden und uns über ihr Ergebnis entweder freuen oder vielleicht zähneknirschend mit ihm leben müssen:

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl.

Jeremia 29,7

Die ersten Empfänger dieser Worte schreiben das Jahr 597 v. Chr. . Ein Jahr, das ihnen in vielerlei Hinsicht noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nach seinem Überfall auf Jerusalem hat der babylonische König Nebukadnezar die Oberschicht des Volkes ins Exil verschleppt. Im fremden Land, an den Wassern von Babylon, hoffen die Exulanten auf eine baldige Heimkehr. Es treten falsche Propheten auf, die ihre trügerische Hoffnung stärken und dem Volk vermeintlich im Auftrag Gottes sagen: „Alles wird gut! Bald schon wird der babylonische König seine Macht verlieren und ihr werdet nach Hause zurückkehren.“

In dieser Zeit schreibt Jeremia im Auftrag Gottes einen Brief an die Weggeführten: „So spricht der Herr Zebaoth, … baut Häuser … pflanzt Gärten, … heiratet und gründet Familie. … Suchet der Stadt Bestes … .

Das heißt: Richtet euch ein dort, wo ihr seid! Es mag euch nicht gefallen, wo ihr nun einmal sein und leben müsst. Auch mag euch vieles nicht recht sein von dem, was die Verantwortlichen entscheiden und tun. Aber nicht das Heimweh „woandershin“ oder die Sehnsucht nach einer „heilen Welt“ sollen euch beherrschen. Ihr sollt vielmehr mitgestalten, was um euch her geschieht. Ihr habt das Vorrecht, für die zu beten, die im Palast und in der Verwaltung sitzen. Eure Aufgabe ist es, ganz da zu sein, wo ihr seid! Und diese Aufgabe gibt euch euer Gott!

Wie aktuell doch dieser Bibelvers wird! Er ist vor 2600 Jahren gesprochen; in der Zeitrechnung Gottes ist das gerade einmal vorgestern gewesen und damit auch für uns heute hochaktuell. Wir leben - auch und vor allem als Christinnen und Christen - mitten in dieser Welt. Manches mag auch uns nicht gefallen von dem, was um uns her geschieht. Manchmal mögen wir uns fremd fühlen und die Geschehnisse um uns her fremd und befremdend erscheinen. Manchmal mögen wir uns wegsehnen in eine Welt, die problemloser, idealer und weniger kompliziert ist. Doch wir leben nicht unfreiwillig in unserer Stadt oder gar in der Verbannung. Wir haben nun einmal diese Welt, in der wir leben. Wir haben sie nicht nur – sie hat auch uns; wir sind in sie hineingestellt. Wir sind auch in unsere Stadt hineingestellt, um ihr Bestes zu suchen.

Was ist wohl dieses Beste? Das Beste ist sicher, dass glaubende Menschen sich einbringen und durch ihre Stimme das Ergebnis der Wahl mitgestalten. Das Beste ist sicher, dass glaubende Menschen ihr Vorrecht wahrnehmen, für die zu beten, die im Rathaus, im Kreistag und in der Verwaltung sitzen. Unsere Aufgabe ist es, ganz da zu sein, wo wir sind! Und diese Aufgabe gibt uns unser Gott!

Und wer womöglich nicht einverstanden ist mit dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl, der Landrätin, dem Landrat, Kreistag und Gemeinderat, der hat doch umso mehr Grund zu beten für unsere Stadt und ihre Verantwortungsträger. Wer will, dass es ihm wohl geht, der wird doch wohl daran gehen, das Beste für unsere Stadt zu suchen! Darauf liegt eine große Verheißung: … wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl. Nehmen wir diese Verheißung ernst!

Dann werden wir einmal zurückblicken auf das Jahr 2020 und sagen: Ein Jahr, das uns in vielerlei Hinsicht noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Ihr/Euer Michael Oberländer