Datum 05.03.2017
Thema Der Sündenfall / Die Versuchung
Von Michael Oberländer
Textstelle 1. Mose 3, 1-19
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Der Sündenfall

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Feld, die Gott der HERR gemacht hatte, und sagte zu der Frau: hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von allen Bäumen im Garten nicht essen soll?

Da sagte die Frau zu der Schlange: Wir dürfen von den Früchten der Bäume im Garten essen;

aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esst nicht davon, rührt sie auch nicht an, damit ihr nicht sterbt!

Da sagte die Schlange zur Frau: Ihr werdet ganz sicher nicht sterben, sondern Gott weiß, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst, eure Augen geöffnet werden, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

Da wurden ihnen beiden die Augen geöffnet und sie erkannten, dass sie nackt waren, flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

Und sie hörten die Stimme Gottes, des HERRN, der er im Garten umherging, als der Tag kühl geworden war. Da versteckten sich Adam und seine Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten.

Und Gott der HERR rief Adam und sagte zu ihm: Wo bist du?

Und er sagte: Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.

Und er sagte: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem Baum gegessen, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?

Da sagte Adam: Die Frau, die du mir gegeben hast, sie gab mir von dem Baum und ich aß.

Da sagte Gott der HERR zur Frau: Warum hast du das getan?

Die Frau sagte: Die Schlange betrog mich, und ich aß.

Da sagte Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und allen Tieren auf dem Feld.

Dein Leben lang sollst du auf deinem Bauch kriechen und Staub fressen.

Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen.

Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.

Und zur Frau sagte er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären. Und dein Verlangen wird nach deinem Mann sein, aber er wird über dich herrschen.

Und zu Adam sagte er: Weil du der Stimme deiner Frau gehorcht und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir gebot und sagte: Du sollst nicht davon essen -, sei der Erdboden um deinetwillen verflucht! Dein Leben lang sollst du dich mit Mühsal von ihm nähren.

Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Feld essen.

Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, von der du genommen bist. Denn du bist Staub und sollst wieder zu Staub werden.

  1. Mose 3,1-19

Liebe Gemeinde,

was ist das doch ein voller Text.

Ich bin versucht zu sagen:

Na, dann vergessen wir jetzt mal das Mittagessen und die Verabredungen heute Nachmittag.

Vielleicht, dass wir bis zum Abendessen ein bisschen klarer sehen.

So viele spannende Themen und Fragen stecken darin.

Wer ist denn nun die Schlange? Was hat sie im Paradies verloren? Woher kommt das Böse, das dahintersteckt? Wieso war denn die eine Frucht verboten? Was ist denn so schlimm daran zu wissen, was gut und böse ist? Wieso schämen sich Adam und Eva plötzlich, weil sie nackt sind und was ist denn nun so schlimm daran?

Spannende Fragen, die uns vom eigentlichen glatt wegziehen können.

Kluge Gedankenspiele, die uns genau zu dem werden können, was uns hier vor Augen gemalt wird: zur Versuchung, die uns vom eigentlichen ablenkt!

Über die Schlange erfahren wir nur: auch sie ist Geschöpf.

Woher denn nun das Böse kommt, das erfahren wir nicht.

Es geht nicht um das WOHER.

Es geht um das WAS.

Es geht um das, was geschieht.

Um das, was damals geschehen ist und sich bis heute fortsetzt.

Der Sog von Versuchung und Sünde:

- übertreiben und verdrehen

hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von allen Bäumen im Garten nicht essen sollt?

Das klingt ja regelrecht fürsorglich.

Ihr Armen, da sitzt ihr mitten im Paradies, habt um euch herum nur Überfluss.

Und Gott?

Ja, der hat euch doch tatsächlich keine Lebensmöglichkeit gelassen.

Ist es denn zu glauben?

Die Schlange übertreibt.

Sie gaukelt Eva vor, dass Gott ihnen alles verboten habe.

Die Schlange überzieht, verschärft, was Gott in schützender Absicht gesagt hat.

Diese Art der Versuchung funktioniert bis heute sehr gut.

Da wird Gottes Wesen, sein gutes Gebot, da werden selbst seine Zusagen an uns verdreht in Forderungen, die uns das Leben abschnüren.

Da wird der Ruf Jesu: Komm, folge mir nach, verdreht in eine Forderung, aus der die bange Frage wird:

Tue ich genug?

Dabei wird geflissentlich übersehen, dass im ganzen Evangelium nie gefragt wird: Tust du auch genug?

Es wird nur gefragt: nutzt du deine Talente oder liegen sie brach?

Jammerschade drum.

Da wird aus der Liebe Gottes, der sich das Herz verrenkt nach seinen Kindern das Zerrbild des himmlischen Buchhalters.

Der hält angeblich genau nach, wie oft du betest, Stille Zeit machst und an den Herrn Jesus denkst.

Unser Text heute ist kein Fenster, durch das wir die anderen betrachten sollen.

Er ist ein Spiegel, in dem wir uns selbst zu sehen bekommen.

Wagen wir es, hineinzusehen?

Da frage ich mich dann schon: Wo sitze ich denn der Übertreibung und Verdrehung auf und glaube den Lügen der Schlange?

Gibt es nicht auch bei mir Ansatzpunkte, Packenden, an denen die sie mich beim Wickel hat?

Die Frage ist ja nicht leicht zu beantworten.

Im Blick auf uns selbst, auf mich selbst macht sich ja gerne so mancher blinde Fleck breit.

Andere sehen mich manchmal viel klarer als ich mich selbst sehe.

Wenn wir fragen: was sehen denn die Menschen an mir?

Dann kommen wir der Antwort womöglich ein Stück näher.

Die Freude und die Freiheit des Evangeliums oder eine mehr oder minder routinierte und mitunter verbissene Frömmigkeit?

Oft ist mir schon der Satz begegnet: die Menschen wollen ja nichts wissen vom Evangelium.

Mag sein, aber vielleicht haben sie nur zu selten Evangelium gehört und gesehen an denen, die sich evangelisch, frei evangelisch oder evangelisch-freikirchlich oder wie auch immer, nennen.

Die Schlange übertreibt , so wird aus dem Guten etwas schlechtes ----- und sie verdreht.

Das funktioniert bis heute.

Ihr werdet ganz sicher nicht sterben, sondern Gott weiß, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst, eure Augen geöffnet werden

Gott weiß……d.h., Gott weiß da was, das ihr nicht wisst.

Darin schwingt mit der unausgesprochene Vorwurf:

der enthält euch da was vor.

Hier beginnt die eigentliche Sünde, wenn wir dem glauben.

Wenn man fragt:

Was ist Sünde? Dann kann man vieles aufzählen.

Meistens beginnt die Aufzählung bei den sexuellen Dingen, bleibt da auch eine ganze Weile hängen und erstreckt sich dann auf die Dinge, wie sie beispielsweise in den 10 Geboten genannt sind.

Lügen, Morden, stehlen, ehebrechen, dem Nächsten den Besitz abjagen usw. das stimmt ja auch, aber all das sind ja nur Ausdrucksformen der einen Sünde, der grundsätzlichen Sünde.

Die grundsätzliche Sünde ist aber das Misstrauen gegen Gott!

Wisst ihr, wenn jemand z. B. zwanghaft geizig ist, dann mag dahinter nicht nur Sparsamkeit stecken, sondern das Misstrauen gegen Gott: ob der mir wirklich zur rechten Zeit das gibt, was ich brauche?

Das Misstrauen gegen Gott hat viele Gesichter, nimmt viele Formen und Gestalten an.

Es bemächtigt sich unserer schwierigen Erfahrungen mit Gott.

Es erinnert uns an Situationen, in denen wir von Gott enttäuscht waren.

Weil ein Gebet scheinbar nicht erhört wurde.

Weil es nicht so in Erfüllung ging, wie wir es gehofft hatten.

Hinter manch unerfülltem Wunsch mag aber letztlich nur der fürsorgliche Gott stehen, der uns sagt: Iss nicht davon, rühr es nicht an, damit du nicht stirbst.

Das Misstrauen mag solche Fürsorge aber gar nicht hören.

Es sieht lieber, …dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er klug machte.

Oder reich, oder mächtig, oder angesehen, oder ein gutes Mittel, um die eigenen Wünsche endlich in Erfüllung zu bringen.

Übertreiben und verdrehen.

Der Sog von Versuchung und Sünde:

- verblenden und entfremden.

Ach, Adam und Eva, so möchte man fast sagen.

Habt ihr nicht gespürt, wie ihr dem Betrug der Sünde aufgesessen seid?

Betrug der Sünde!

Das Verbotene erscheint zunächst in einem ganz verlockenden Licht.

Es sieht begehrenswert aus, solange wir es noch nicht in den Händen halten.

Doch sobald wir es haben, wird es uns zur Last und wir merken, dass wir betrogen wurden.

So ist es vielen gegangen, die aus ihrer Ehe, aus ihrem ganz normalen Leben ausgebrochen sind, weil das andere Leben, das Leben mit dem anderen Partner, das Leben unter anderen Umständen so sehr viel verlockender aussah.

Diese Dinge sehen aber nur so lange so verlockend aus, wie wir sie nicht haben und darin besteht der Betrug der Sünde.

Wenn wir sie dann haben, werden sie uns zur Last.

Da findet es vielleicht jemand ganz verlockend, bei den Steuern ein bisschen zu pfuschen.

Wer soll es denn schon merken?

Und überhaupt: wer kann sich denn anmaßen, mir vorschreiben zu wollen, was ich mit meinem Geld zu tun und zu lassen habe?

Doch kaum ist der scheinbare Vorteil errungen, wird er zur Last.

Die Angst, oder zumindest ein unbestimmtes Unbehagen kriecht in die Knochen:

Hoffentlich kommt mir keiner drauf.

Hoffentlich habe ich auch an alles gedacht und die Geschichte ist wasserdicht.

Hoffentlich verquatscht sich keiner.

Da nimmt es vielleicht jemand mit der Wahrheit nicht so genau.

Eine Unwahrheit zu sagen verspricht scheinbar einen Vorteil.

Und so werden eben, wie mein heutzutage so schön sagt, „alternative Fakten“ dem Ehepartner, den Kollegen, dem Chef oder wem auch immer, aufgetischt.

Und im nächsten Moment schon fühlt man sich nackt.

Wenn einen der Ehepartner, die Kollegen, der Chef oder wer auch immer ansieht, dann kriecht die Angst ins Herz: Ist in ihrem, in seinem Blick nicht so eine Ahnung?

So als ob die was wüssten?

Sie erkannten, dass sie nackt waren…….

Wo wir dem Betrug der Sünde aufsitzen entfremden wir uns.

Gott wird uns fremd, der Nächste wird uns fremd und oft genug werden wir uns selbst fremd.

Geht ein Riss durch die eigene Seele.

Wie schon bei unseren Voreltern.

Sie haben ihre Position verlassen, die Gott ihnen in seiner Fürsorge zugedacht hatte und sie fühlen sich nackt.

Das lässt sich bis heute nachvollziehen.

Wer dem Betrug der Sünde aufgesessen ist, empfindet sein Leben buchstäblich unheimlich. - verblenden und entfremden.

Der Sog von Versuchung und Sünde:

- verstecken und verschieben

…sie flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

Kalt, unwirtlich und unruhig ist das Leben, wo der Betrug der Sünde Raum greift.

Adam und Eva haben ihre gottgegebene Naivität verloren und schon können sie sich einander nicht mehr zumuten.

Die Feigenblätter und Schurze müssen her und sind bis heute in Mode.

Weniger, weil der Anblick des anderen nicht zu ertragen ist.

Was der andere zu verbergen hat, mag ja auch interessant sein.

Wohl eher, weil der Mitmensch mich nicht sehen soll, wie ich wirklich bin.

Feigenblätter und Schurze: Die sogenannten Notlügen, die Wahrheit, die verdreht wird.

Oder es wird etwas übertrieben dargestellt und dafür andere Fakten weggelassen.

Oder es werden eben „alternative Fakten“ geschaffen.

Die Feigenblätter und Schurze haben viele Formen und Farben.

Wie heißen meine Lieblingfeigenblätter?

Welche Schurze hängen bei mir im Schrank und sind in Gebrauch?

Unser starker Text zeigt: was wir tun, bleibt nie nur auf unser eigenes kleines Leben beschränkt.

Immer ist auch die Beziehung zum Nächsten und zu Gott betroffen.

Nicht nur voreinander, auch vor Gott verstecken sich die beiden.

Adam, wo bist du?, so fragt Gott nach seinem Menschen.

Man kann seinen Schmerz hören.

Gott sehnt sich nach dem Werk seiner Hände.

Gerufen ist nicht nur der Mann, sondern der Adam, der Mensch, den Gott von der Adamah, der Erde genommen und als Mann und Frau geschaffen hat.

Und direkt geht sie los: die Verschieberei.

Gott fragt: „Hast du etwa von dem Baum gegessen….“

Adam hat darauf nur den Vorwurf parat, gleich eine Retourkutsche:

Die Frau, die du mir gegeben hast (Gott hättest DU sie mir nicht gegeben, wär ja nichts passiert), SIE gab mir von dem Baum und erst im Nachsatz: und ich aß.

Quasi: Ich konnte ja nicht anders, wie du siehst, ich bin ein Opfer der Umstände, die mir zu mächtig wurden.

Die Frau macht es nicht besser: …die Schlange betrog mich.

Immer sind die anderen schuld, niemals ich.

Wir sind perfekt darin, die eigene Schuld auf andere abzuschieben.

Nicht ich, sondern mein Mann, meine Frau, das Elternhaus, der cholerische Chef, die böse Nachbarin; oder meine Veranlagung, mein Charakter; die Verhältnisse, die widrigen Umstände,

Wir bringen es zu Meisterleistungen, wenn es darum geht, den Schwarzen Peter einem anderen zuzuschieben.

Als gefallene Menschen lassen wir es uns lieber gefallen, als Spielball böser Einflüsse und dämonischer Kräfte zu gelten, als dass wir uns im Spiegel ehrlich selbst ansehen.

Wie viel Elend ist daraus doch erwachsen.

Seither hat alles in dieser Welt zwei Gesichter: Ein Angesicht und eine Fratze.

Das Glück einer Mutter.

Die Schmerzen der Geburt mögen ja bald vergessen sein.

Wie schnell kann dieses Glück aber überschattet werden von Sorgen und Ängsten und Überforderung.

Von Dornen und Disteln (Vers 18) wissen alle etwas zu sagen, die ihr Brot durch Arbeit verdienen müssen.

Wie nah liegen oftmals Erfolg und Misserfolg, Gewinn und Verlust, Frucht des Ackers und Dornen und Disteln beieinander.

Wir spüren etwas von diesem Fluch.

Ach ja, nicht nur ein voller, auch ein schwerer und trauriger Predigttext ist das.

Wo ist das Evangelium, die gute Nachricht darin?

Es ist da in:

Gottes heilvolle Gegenströmung:

- aufdecken und erlösen

Gott ruft Adam und gibt ihm damit noch einmal die Chance, sich zu stellen.

Der sich da bedeckt mit Feigenblättern und Schurzen soll sich ent-decken lassen.

Du sollst und darfst dich ent-decken lassen, wo du dich verwickelt hast in Versuchung und Sünde.

Gott will dich einkleiden und dich von deinen selbstgemachten Feigenblättern und Schurzen befreien.

Die Schlange bekommt zu hören: Da kommt einer, der wird dir den Kopf zertreten.

Schon bald nach seinem ersten Triumph bekommt das Böse eine klage Ansage:

Freu dich nicht zu früh, deine Tage sind gezählt, kaum, dass sie begonnen haben.

In Jesus, mit dem wir durch diese Passionszeit gehen hat sich das erfüllt.

Weil das Misstrauen gegen Gott, dass er es letztlich nicht gut meint mit uns die eigentliche Sünde ist, deshalb ruft uns Jesus zum Vertrauen:

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!Joh 14,1

Vor wenigen Wochen haben wir noch gesungen:

Auch sollt ihr nicht erschrecken vor eurer Sündenschuld; nein, Jesus will sie decken mit seiner Lieb und Huld. (F&L Nr. 182,8)

Das Misstrauen, die Entfremdung, die Verschiebung è all das soll ein Ende haben und hat ein Ende bei ihm.

Aus der Vielzahl der Gedanken über Gott wird das Leben mit Gott, das Vertrauen zu ihm kann neu beginnen.

Eins steht fest: die Schlange lügt wie gedruckt.

Drum hör auf Jesus, der dich befreien will von

Der Sog von Versuchung und Sünde:

- übertreiben und verdrehen

- verblenden und entfremden.

- verstecken und verschieben

Er ist heilvolle Gegenströmung:

- lass dich ent-decken und erlösen

Amen