Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem Gemeindebrief für November/Dezember 2021        von Joachim Möller


Monatsspruch für Dezember 2021 aus Sacharja 2, 14

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe,
ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.

Titelbild 2021 11 12
                                  Foto: Christian Nill


Nun ist es Herbst und es geht auf Weihnachten zu. Die Reisezeit ist vorbei. Einige waren trotz Corona unterwegs, es gab ja schon wieder verschiedene Möglichkeiten. Aber ob zwei bis drei Wochen oder nur ein paar Tage, man freut sich ja doch wieder auf sein Zuhause, auf seine Wohnung, warm, gemütlich und hübsch eingerichtet.

Eine eigene Wohnung ist ein hohes Gut. Schrecklich, wenn sie plötzlich zerstört wird, durch Überschwemmung, Feuer, Erdbeben, Vulkanausbruch, aber auch durch Krieg, Vertreibung und Verfolgung. Und das ist alles in dieser Welt keine Seltenheit. Wir leben zu einer Zeit und an einem Ort, an dem wir eigentlich vor derlei Gefahren relativ sicher sind. Aber eben nur relativ, wie wir nach den Überflutungen im letzten Sommer feststellen mussten.

Für viele Menschen ist das aber schon lange Alltag. Sie leben auf der Straße. In Deutschland gibt es etwa 240 Tausend Wohnungslose, die unter Brücken, unter Planen und vielleicht auch mal in einer Notunterkunft schlafen. Andere leben in ständiger Angst, dass sie auch so weit abrutschen, weil sie die Miete kaum noch zahlen können.

Wohnungen gibt es eigentlich reichlich, etwa 42,2 Millionen in Deutschland, mit insgesamt etwa 4 Milliarden Quadratmeter Wohnfläche. Das sind rund 50 Quadratmeter pro Person. Und doch gibt es Wohnungsknappheit, insbesondere in den Ballungsgebieten. Studenten, die keine Unterkunft finden oder Rentner, die sich ihre Wohnung nach Jahrzehnten nicht mehr leisten können und jetzt auf dem Campingplatz leben.

Auf der anderen Seite gibt es große Häuser oder Wohnungen, die nur von Paaren oder Alleinstehenden bewohnt werden. So mancher alt gewordene Mensch lebt immer noch in der großen Wohnung, in der einmal die Familie mit vier oder fünf Personen gut zurechtgekommen ist. Aber der Umzug und die Miete für die neue, kleine Wohnung sind einfach zu teuer.

Aber nun stellen wir uns mal vor, welche Freude so eine alte Dame haben würde, die schon viele Jahre allein in ihrer 120 Quadratmeter großen Altbauwohnung lebt, wenn ihre Tochter, nennen wir sie mal Zione, plötzlich anruft und ihr sagt, dass sie aus dem Ausland zurückkommt und wieder bei ihr einziehen will – „Ich komme und will bei dir wohnen.“

Endlich nicht mehr allein, ein unmittelbarer Gesprächspartner ist wieder da, nicht nur gelegentliche kurze Telefonate; eine Hilfe ist unmittelbar da, wie schön, welch eine Freude! Die Tränen des Abschieds von vor langer Zeit sind vergessen.

Die Gemeinschaft mit lieben Menschen ist etwas Wunderbares. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist, verkündet Gott nach der Schöpfung. Er schuf den Menschen als Gemeinschaftswesen. Ohne Kontakte, ohne Austausch und Beziehung verkümmert der Mensch, innerlich und oft auch äußerlich.

Aber ist das tatsächlich immer so, dass wir uns freuen, wenn jemand bei uns wohnen will? Nun, auf der Couch kann mal ein Besuch übernachten, im Gästezimmer, sofern vorhanden, auch mal etwas länger. Aber wenn einer richtig einziehen will? Das will doch gut überlegt sein. Passt das überhaupt? Muss ich mich dann nicht zu sehr einschränken? Verstehen wir uns auf Dauer? Nach welchen Kriterien wägen wir das ab? Wie eng war oder ist die Beziehung, welche Erfahrungen liegen damit vor, welche gemeinsamen Interessen gibt es?

Das Volk Israel hatte oftmals keine gemeinsamen Interessen mit Gott. Es hatte nicht auf die Mahnungen und Warnungen Gottes durch die Propheten gehört. Deshalb hatte Gott es in die Hände der Feinde gegeben und den Tempel verlassen, sodass er geschändet, geplündert und zerstört wurde.

Aber Gottes Erbarmen und seine Liebe zu seinem Volk sind so groß, dass er seinem Volk, seinem Augapfel, wieder Mut macht. Gott sorgt dafür, dass sie aus der babylonischen Gefangenschaft befreit werden und wieder in ihr Land zurückkehren dürfen. In dieser Zeit, etwa ab 518 v. Chr., wirkt der Prophet Sacharja in Jerusalem. In acht Nachtvisionen macht Gott ihm und seinem Volk Mut.

Die Zeit der Trauer ist bald vorbei, das Heil ist nahe. Jerusalem wird gereinigt und wieder auferbaut. Dann wird Gott wieder in ihrer Mitte wohnen und das bedeutet große Freude. Da wo Gott ist, da ist Licht, Wärme, Sicherheit und Wohlbefinden. Gott liebt sein Volk, deshalb nennt er es Tochter Zion. Dabei steht der Berg (und die Burg) Zion, als zentrale Stelle, für das ganze Volk Israel, ja und auch wir dürfen uns durch Jesus Christus dazu zählen.

Und wenn Sacharja in seiner Vision sieht, dass letztlich auch die anderen Völker nach Zion streben, dann reicht diese Vision über den Retter und Erlöser, Jesus Christus, hinaus bis in die Endzeit. Dann geht es nicht mehr darum, dass wir Gott in unser Haus, in unsere Wohnung einziehen lassen, sondern dann sind wir Gottes Hausgenossen, denn er ist der Hausherr.

Aber jetzt geht es erst mal auf Weihnachten zu. Wir feiern die Geburt Jesu Christi, sein Kommen auf diese Welt in Armut und Demut. Damals war er nicht überall willkommen, weder bei seiner Geburt im Stall, noch später bei seinem Wirken. Er hatte keine Wohnung, nur selten ein Dach über dem Kopf. Darauf legte er auch keinen großen Wert.

Beziehungen waren für ihn das Wichtigste. Er liebte seinen Vater im Himmel und die Menschen, für die er schließlich sein Leben ließ. Nur deshalb können wir einmal tatsächlich in der Ewigkeit bei ihm wohnen, denn im Haus seines Vaters gibt es viele Wohnungen. So können wir uns jetzt schon freuen und fröhlich sein, Gott hat uns seinen Sohn geschickt, um uns einmal in Ewigkeit und Herrlichkeit bei ihm wohnen zu lassen.