Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem Gemeindebrief  für Juli-August 2021                          


Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.
Apg 17,27 (L)


„Sie sind ja völlig in ihrer eigenen Welt! Schön, dass sie sich so hingegeben beschäftigen können.“ Das habe ich oft gedacht, wenn ich unseren Kindern beim Spielen zugesehen habe. Völlig versunken, alles um sich herum vergessend, saßen sie auf dem Boden, lenkten die Spielzeugautos durch „die Wüste“ oder gossen den Puppen „frischen Kaffee“ nach.

„Sie geht auf in dem, was sie tut!“ Das denke ich, wenn ich morgens an der Baustelle in der Oststraße vorbeijogge. Zwischen den Straßenbauarbeitern arbeitet eine junge Frau. Mal schwingt sie die Spitzhacke, mal fährt sie den Bagger und ein andermal kniet sie mit ihren Kollegen auf dem Boden und verlegt Gehwegplatten. Die Freude an der schweren Arbeit spürt man ihr regelrecht ab.

„Er ist wieder ganz bei seiner Sache und im Moment nicht ansprechbar!“ Diesen Eindruck gewinne ich, wenn ich Menschen bei ihrer Arbeit oder ihrem Hobby antreffe, und sie völlig in Beschlag genommen sind von ihrem Tun.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn wir Menschen in dieser Weise erleben, dann sagen wir: Die sind „in ihrem Element“, sind mit allen Sinnen bei der Sache. Wer „in seinem Element“ ist, der fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes lebendig.

Im Monatsspruch für den Juli spricht der Apostel Paulus davon, dass jeder Mensch bereits „in seinem Element“ lebt, und dass Gott keinem Menschen auf dieser Welt wirklich fern ist.

Diese Worte stammen aus der berühmten Rede des Paulus auf dem Areopag in Athen. Bei einem Stadtrundgang war ihm aufgefallen, dass die Menschen seiner Zeit ihren Göttern viele Altäre errichtet hatten. Um bloß keinen zu vergessen, hatten sie auch einen Altar für „den unbekannten Gott“ gebaut. Von diesem sagt Paulus, dass er sich bekannt gemacht hat durch den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus. Ja, mehr noch, dass er uns schon lange kennt und uns näher ist, als wir ahnen:

in ihm leben … wir: Das Leben kommt aus seiner Hand. Das Leben der großen und der kleinen Geschöpfe, die wunderbare Vielfalt der Pflanzenwelt, die im Sommer vor lauter Vitalität beinahe aus den Nähten platzt. Das Leben der Menschen, der großen und der kleinen, derer in nah und fern, die sich manchmal vorkommen wie Zufallsprodukte, die in diese Welt geworfen sind! Niemand ist ein Zufall!

… in ihm … weben … wir: Weben – was für ein seltsames Wort! Weben ist ein alter, dichterischer Ausdruck für sich regen und bewegen. Die Kraft zum Schaffen, Arbeiten, Wirken - alle Kreativität, die sich auf so viele Arten im Leben von uns Menschen ausdrückt, ist ein Fingerabdruck des Kreators, des Schöpfers.

Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren! (Paul Gerhardt).

und sind wir: Unser Sein, unsere ganz unverwechselbare Eigenart, die jede und jeder von uns hat, haben wir von dem „unbekannten Gott“, der in Jesus Christus Mensch geworden ist und sich zu uns bekennt, damit wir’s hören und erfassen können: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns, …

Uns lebendig fühlen – nein, wirklich lebendig sein! Das können wir, wenn uns aufgeht, dass wir schon immer „in unserem Element“ sind. Der Apostel Paulus spricht begeistert von ihm, und der Geist des Auferstandenen öffnet uns die Augen dafür, dass wir es immer und überall mit dem zu tun haben, der unser Leben erschaffen hat, es erhält und in dessen Hände und Frieden wir gehen. Der Auferstandene, der uns mit ihm versöhnt, damit uns die Augen aufgehen: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139,5)

Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine gesegnete, lebensvolle Sommerzeit und selbstvergessene Augenblicke in Gottes Gegenwart, unserem Lebenselement!

Ihr/Euer Michael Oberländer